Herbert Theler

Ausschnitt aus «Das Meer sucht keine Erklärung, es atmet den Berg»
von Pierre Imhasly

Dass Bilder frei zu laufen beginnen, glauben wir nicht;
noch weniger, dass solches im Handumdrehen zu haben sei.
Herbert Theler, wie stellt er das an?
Herbert Theler hat nur Wallis im Kopf. Und im Herzen.
Im Kopf, in den Händen, den Schuhen.

Was er von diesem seinem Wallis gepachtet hat, sind dessen Himmel,
der Schnee, die Berge, die Hänge, Wiesen, Matten, Irdenes, Felder,
Bäume, die Nacht, das Licht. Das ist alles.
Ein Wallis vor seiner Haustür. Was für eine Landschaft!
Fünfzig Kilometer Nord‐Süd; etwa so viele Ost‐West; zu erwandern;
die Höhenmeter, leicht zu schätzen.
Dann das Atelier. Zweigeschossig, gross, hell, gläserne Welt,
funktionell, wie beim Architekten. Hier findet man ihn, immer.
Denn hier vollzieht sich die Alchemie. Verwandlung, Abstraktion.
Lieber gross als klein, heisst das bei ihm: So arbeitet er stets im
Stehen. Kommt vor, ihm wird angst ob der gezielten Kraft der Farbe,
und er flüchtet, z.B. ins Vegetabile, Florale, Botanische – in Muster.
Von wo er, in hundert Schritten, wieder zurück muss.
Hundert mal Anlauf, mit dem Kopf durch die Wand, über den
eigenen Schatten springen, bis dass alles Dekorative verlassen
und – nur noch Elan – aus der Geometrie die reine Geste wurde,
der Wurf. Nass in Nass, Acryl al fresco. Kraftakte, über Jahre, massive,
nicht weniger solche der Subtilität. Ehe er ein Bild aus der Hand gibt.

Und da ist eines, und das da, und dieses noch, und zwischen Tischen,
Schränken, ab Regalen, aus Ecken und Enden schnellt hervor,
was, Fleiss auf Fleiss, enorm im Wandel ist, der Befreiung harrt:
im harten Blau der Himmel; befreit das irdene Ockergelb, die Felder;
satt, scharf, Heimat, ein Grün, sprich: Matten; dann und wann ein Rot,
das verbindet und zerteilt.
Künstler stünde gewiss nicht darauf, sollte Herbert Theler Visitenkarten
besitzen.
Echter Maler, ersteht ihm immer wieder Kreation; die reine.

Pierre Imhasly